KIM Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg
Im Oktober 2025 erbaten wir von den im Baden-Württembergischen Landtag vertretenen Parteien und der Partei Die Linke eine Positionierung zu wichtigen Fragen der Integrativmedizin. Wir stellen Ihnen hiermit die Antworten der Parteien, die uns bis Ende Januar 2026 erreicht haben zu Verfügung.
Insgesamt fällt auf, dass Forschung auf dem Gebiet der Integrativen Medizin von allen Parteien begrüßt wird. Die Vorschläge, mit welchen Maßnahmen dies realisiert werden soll, bleiben jedoch vage. Deshalb müssen in den vermutlich notwendigen Koalitionsverhandlungen konkretere Schritte zur Forschungsförderung und Implementierung von integrativen Modellen vereinbart werden. Als Kompetenznetz schlagen wir folgende Maßnahmen vor:
1. Aufbau einer „Modellregion Integrative Medizin“ in Baden-Württemberg mit kontinuierlich verfolgten und weiterentwickelten Projekten zur Implementierung, Finanzierung und Vernetzung unter Einbeziehung wissenschaftlicher Begleitforschung.
2. Einrichtung eines dafür zuständigen eigenen Referats für Integrative Medizin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration (Vertiefung, Verstetigung).
3. Ausbau des Projekts „Gesundheitsstandort Baden-Württemberg“ oder einer vergleichbaren sektorübergreifenden Kooperation unter Einbeziehung der auf dem Feld der Integrativen Medizin im Land tätigen Krankenhäuser, ambulanten Medizinversorger, Arzneimittel- und Medizinprodukte-Hersteller, Kostenträger und Patientenvertreter.
KIM-Koordinationskreis
Marcela Winkler, Thomas Breitkreuz, Elke Kaschdailewitsch, Klaus Kramer, Rolf Heine
Wahlprüfsteine
1. Forschung:
In der medizinischen Wissenschaft wird die Wirksamkeit komplementärer Verfahren kontrovers diskutiert. Eine Ablehnung wird zumeist mit der unzureichenden Studienlage für zahlreiche Behandlungsmethoden begründet. Zugleich wächst die Zahl positiver wissenschaftlicher Publikationen weltweit rasant.
Welche Maßnahmen schlägt Ihre Partei vor, um die wissenschaftliche Erforschung komplementärer Verfahren weiter voran zu bringen?
Serviceliste
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FDPListenelement 1
Seit jeher verteidigen wir Freie Demokraten Vielfalt und Selbst-bestimmung im Gesundheits-wesen. Patientensouveränität und damit die freie Arzt- und Therapeutenwahl sind Grundsätze unserer gesundheitspolitischen Überzeugungen. Dies bedeutet für uns aber auch, dass wir das Recht verteidigen, wenn Menschen auf Behandlungen aus eigener Entscheidung verzichten oder alternative Behandlungsmethoden in Anspruch nehmen möchten, deren Wirksam-keit nach den bisher bekannten naturwissenschaftlichen Methoden nicht belegt sind. Der Begriff des Heilens hat viele Dimensionen und entscheidet sich letztlich am Erleben und Empfinden des Einzelnen.
Die Bündelung und Auswertung wissenschaftlicher Forschungs-ergebnisse sollte vom KIM in Zusammenarbeit mit den Fach-verbänden gemeinsam mit den Universitäten und weiteren Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg ausgewertet und weiterer Handlungsbedarf ermittelt werden. Ich unterstütze weitere Ansätze neben der sogenannten Schulmedizin ausdrücklich. Es handelt sich hierbei um keine verpflichtenden Leistungen der GKV, relevant ist das Recht auf Selbstbestimmung. Entscheidend ist eine Verbesserung oder Verhütung der Verschlimmerung des Gesamtbildes der Patientin bzw. des Patienten.
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GrüneListenelement 2
2022 wurde Prof. Dr. Holger Cramer für die Erforschung kom-plementärmedizinischer Verfahren am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen berufen. Es handelt sich dabei um die erste rein wissenschaftliche Professur im Bereich der Komplementärmedizin an einer deutschen staatlichen Universität. Gemeinsam mit seinem Team forscht Prof. Cramer zur Wirksamkeit und Sicherheit komplementär-medizinischer Verfahren. Baden-Württemberg geht auch hier neue Wege!
Die Aufgabe der öffentlichen Forschungsförderung übernimmt in erster Linie gemäß Grundgesetz der Bund. Die Finanzierung von staatlichen Hochschulen und Forschungseinrichtungen teilen sich in Deutschland der Bund und die Länder. Während wir auf Landesebene primär für die Hochschulen zuständig sind, übernimmt der Bund in erster Linie die Finanzierung von Forschungs-einrichtungen, wie beispielsweise Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft.
Im Rahmen der Landesmöglichkeiten haben wir beispielsweise das Projekt „Forschungs- und Praxisinitiative: Komplementäre und Integrative Gesundheitsversorgung für Baden-Württemberg (KIG BaWü)“ gefördert. Das Projekt verfolgte das Ziel, in konkreten Forschungsprojekten exemplarisch die funktionellen Effekte und Wirkungsmechanismen von pflanzlichen Wirkstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln, veganer Ernährung, Akupunktur und Entspannungsverfahren zu erforschen. Baden-Württemberg ist Standort etlicher wichtiger Unternehmen aus dem Bereich Komplementär-medizin. Auch das wissen wir zu schätzen.
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Die LinkeListenelement 3
Die Linke fordert die Einrichtung eines staatlichen, steuerfinanzierten Forschungsfonds für unabhängige Gesundheitsforschung. Da umfangreiche Studien aufwendig und teuer sind und gerade bei Methoden, die kein patentierbares Produkt beinhalten (wie viele komplementäre Verfahren), kaum kommerzielles Interesse besteht, soll dieser Fonds einspringen. Über diesen Fonds sollen Bereiche, die von der kommerziellen Forschung vernachlässigt werden, im Gemein-wohlinteresse beforscht werden. Ziel ist es, evidenzbasierte Nachweise für den Patientennutzen zu erbringen.
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SPDListenelement 4
Es ist heute allgemein anerkannt, dass Komplementärmedizin häufig erfolgreich zusätzlich zur üblichen medizinischen Versorgung (Schulmedizin) oder in bestimmten Fällen auch alternativ zu ihr angewendet werden kann. Die Debatte darüber ist für uns in der SPD keine „Glaubensfrage“. Vielmehr müssen sich aus unserer Sicht sowohl Schulmedizin als auch Komplementärmedizin der medizinischen Forschung stellen. Für die Forschung werden zum einen sowohl im Bund als auch im Land staatliche Mittel zur Verfügung gestellt, für die die üblichen Vergabekriterien zur Anwendung kommen. Zum anderen gibt es vergleichbar zu anderen Forschungsfeldern auch Mittel etwa von Arzneimittel-herstellern oder Stiftungen. Mit der Einrichtung von Lehrstühlen für Komplementärmedizin in Baden-Württemberg und in anderen Bundesländern sind ebenso Forschungsaufgaben verbunden. Die SPD sieht dies alles als gut so und das soll auch so bleiben
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AfD
Wir setzen uns dafür ein, dass komplementäre und integrative Verfahren ergebnisoffen und ohne ideologische Vorfestlegung wissenschaftlich untersucht werden. Entscheidend ist für uns nicht die Herkunft einer Methode, sondern ihre nachweisbare Wirksamkeit und Sicherheit nach anerkannten wissenschaftlichen Standards. Deshalb befürworten wir gezielte Forschungsprogramme, die komplementäre Verfahren mit denselben Maßstäben prüfen wie konventionelle Therapien, nach dem Grundsatz: Wer heilt, hat recht – sofern dies evidenzbasiert belegt werden kann
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CDU
Wir stehen der Erforschung komplementärer Verfahren offen gegenüber – jedoch strikt evidenzbasiert und nach denselben wissenschaftlichen Maßstäben wie in der konventionellen Medizin. Einrichtungen wie der Lehrstuhl für Komplementärmedizin an der Universität Tübingen zeigen, dass eine methodisch saubere, akademisch verankerte Forschung möglich ist. Dort, wo klinische Relevanz erkennbar ist, könnte es sinnvoll sein, entsprechende Fragestellungen in bestehende, evidenzbasierte Forschungsprogramme zu integrieren (z. B. BMBF-Projekte, Deutsche Forschungsgemeinschaft), anstatt Sonderstrukturen zu schaffen. Entscheidend sind für uns als CDU BW robuste Studiendesigns, patientenrelevante Endpunkte und transparente Qualitätssicherung. Nur Verfahren mit nachgewiesenem Nutzen und vertretbarem Risikoprofil können perspektivisch Bestandteil einer verantwortungsvollen Versorgung sein. So verbinden wir Wahlfreiheit mit konsequentem Patientenschutz und wissenschaftlicher Verantwortung.
2. Klinische Versorgung:
Zahlreiche Kliniken im Land bieten bereits komplementäre Maßnahmen in der Onkologie und Palliativmedizin an. In der Regel sind diese Leistungen unterfinanziert, obwohl sie aus Patientenperspektive wichtig und wirksam sind.
Was plant Ihre Partei, um den Bedarf und die Effektivität komplementärer Leistungen in Kliniken und ambulant zu überprüfen und die Verfügbarkeit ggf. zu verbessern?
Serviceliste
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FDPListenelement 1
Es war ein Erfolg der FDP, die Komplementärmedizin als Satzungsleistung zuzulassen. Die Private Krankenversicherung (PKV) ist hier flexibler. Insofern ermöglichen private Zusatzversicherung einen verbesserten Schutz – andernfalls bleibt die private Finanzierung. Da es sich bei komplementärmedizinischen Therapien gerade nicht hochtech-nische Geräte oder sehr teure synthetische Arzneimittel handelt, dürfte das vielfach ein gangbarer Weg sein. Ich werbe dafür, auch vor einer anstehenden Wahl keine vorschnellen Versprechungen zu machen. Angesichts der immensen Finanzierungsproblematik in der GKV sowie dem Konsolidierungs-druck für öffentliche Haushalte wäre dies keine verantwortungs-volle Politik. In der letzten Legislaturperiode hatten wir uns für eine öffentliche Anhörung im Landtag eingesetzt. Im Jahr 2018 fand diese zum Thema „Komplementärmedizin und Naturheilverfahren als Gesundheits- und Wirtschaftsfaktor“ statt. Ein Gegenstand war dabei auch das Verbundvorhaben Akademisches Zentrum für Komple-mentäre und Integrative Medizin (AZKIM), das Expertise an mehreren Universitätskliniken bündelt zur Untersuchung der Wirkung und Sicherheit komplementärmedizinischer Methoden. Landespolitisch gibt es also aus unserer Sicht gute Ansatzpunkte.
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GrüneListenelement 2
Ziel von komplementären Verfahren in der Onkologie ist vor allem die Linderung von tumorbedingten Beschwerden und von Nebenwirkungen der Krebsbehandlung. Komplementäre Verfahren begleiten und ergänzen die evidenzbasierte Krebsmedizin. Eine Alternative sind sie nicht. Ein großer Teil der Krebspatientinnen und -patienten hat den Wunsch, der Erkrankung nicht völlig „ausgeliefert“ zu sein, sondern aktiv an ihrer Bekämpfung mitwirken zu können und „nichts unversucht zu lassen“. Vergleichbares gilt für den Bereich der Palliativmedizin.
Das Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin und Gesundheit hat eine Zusammenarbeit mit der Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Robert Bosch Krankenhaus (RBK) aufgebaut. Es gibt bereits vielversprechende Studien, die etwa für Akupunktur oder Yoga eine starke Wirksamkeit als begleitende Krebstherapie sowie bei einigen psychischen Symptomen aufzeigen. Da ist es sinnvoll weitere klinische Untersuchungen durchzuführen und eine stärkere Evidenz zu schaffen, damit wirksame Verfahren in Krankenhäusern und Praxen Eingang finden.
Um das Wissen in die medizinische Versorgung zu bringen, ist daneben die Entwicklung von medizinischen Leitlinien wichtig, so etwa die S3-Leitlinie „Komplementärmedizin in der Behandlung von onkologischen Patient:innen“. Das ist die erste Leitlinie, die sich spezifisch mit Komplementärmedizin beschäftigt. Ziel der S3-Leitlinie Komplementärmedizin ist es, Ärztinnen und Ärzte und weiterem in der Behandlung von Tumorpatientinnen und -patienten einbezogenem Fachpersonal sowie den Patientinnen und Patienten selbst evidenzbasierte Empfehlungen für anstehende Therapieentscheidungen zu geben.
Die Leitlinie wird regelmäßig aktualisiert, zuletzt im Mai 2024. Mit der Leitlinie sollten Krebspatientinnen und -patienten in Zukunft an jedem Tumorzentrum und Behandlungsort zu Fragen zur komplementären und alternativen Medizin durch die sie betreuenden Ärzteschaft und andere Berufs-gruppen fundierte Antworten erhalten und nicht mehr mit der Suche nach seriöser Information allein gelassen werden. Auf diesem Weg wird die Qualität der Versorgung verbessert und die Situation der Patientinnen und Patienten gestärkt.
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Die LinkeListenelement 3
Die Linke setzt sich dafür ein, dass alle Behandlungsmethoden mit wissenschaftlich anerkanntem Patientennutzen in die Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) überführt werden. Die Zulassung darf nicht davon abhängen, ob eine Methode einer bestimmten Tradition angehört, sondern allein vom nachgewiesenen Nutzen (sinkende Krankheitslast, Sterblichkeit, bessere Lebensqualität).
In diesem Sinne ist für Die Linke "jede gute Behandlung integrativ und eine Unterscheidung zwischen Schul- und Komplementärmedizin überflüssig". Um die Unterfinanzierung patientenrelevanter Leistungen in Kliniken zu beenden, fordert die Partei die Abschaffung der Fallpauschalen (DRGs) und die Einführung einer Finanzierung nach dem Selbstkostendeckungsprinzip, bei der alle notwendigen Kosten eines Krankenhauses gedeckt werden. Im ambulanten Bereich sollen "regionale Gesundheitszentren" und "Polikliniken" gefördert werden, die eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung anbieten
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SPDListenelement 4
Wenn nachgewiesen ist, dass Maßnahmen oder Arzneimittel aus der Komplementärmedizin wirksam zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen, gelten die üblichen Regeln aus der gesetzlichen Krankenversicherung, um die Behandlung zu finanzieren. Qualität und Wirksamkeit der Leistungen haben dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse zu entsprechen und den medizinischen Fortschritt zu berücksichtigen. Und die Leistungen müssen wirksam und wirtschaftlich erbracht und nur im notwendigen Umfang in Anspruch genommen werden.
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AfD
Wir sehen, dass komplementäre Maßnahmen insbesondere in der Onkologie und Palliativmedizin von vielen Patienten als hilfreich empfunden werden. Um hier verantwortungsvoll zu handeln, wollen wir den tatsächlichen Nutzen und die Wirksamkeit dieser Angebote systematisch evaluieren.
Auf Grundlage transparenter Ergebnisse sollen bewährte komplementäre Leistungen besser in die klinische und ambulante Versorgung integriert und angemessen finanziert werden, ohne dabei unwirksame Verfahren dauerhaft zu fördern.
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CDU
Wir erkennen an, dass viele Kliniken komplementäre Maßnahmen insbesondere in der Onkologie und Palliativmedizin anbieten und dass diese Angebote von Patientinnen und Patienten häufig als unterstützend erlebt werden. Für uns ist jedoch entscheidend, dass auch in diesem Bereich Evidenz, Patientensicherheit und Wirtschaftlichkeit leitend sind. Deshalb setzen wir uns als CDU BW dafür ein, den tatsächlichen Bedarf sowie die Effektivität komplementärer Leistungen systematisch zu überprüfen.
Grundlage sollten strukturierte Versorgungsforschung, Evaluation bestehender Modelle und eine klare Erhebung patientenrelevanter Endpunkte wie Lebensqualität, Symptomkontrolle oder Nebenwirkungsreduktion sein. Nur auf dieser Basis kann verantwortungsvoll entschieden werden, ob und in welchem Umfang eine bessere Finanzierung oder breitere Verfügbarkeit gerechtfertigt ist.
Gleichzeitig ist uns wichtig, dass komplementäre Verfahren eine evidenzbasierte Standardtherapie ergänzen, aber niemals ersetzen. Patientinnen und Patienten haben ein Recht auf Wahlfreiheit – diese setzt jedoch transparente Information über Nutzen, Grenzen und Evidenzgrad voraus. Maßnahmen ohne nachgewiesenen Nutzen oder mit potenziellen Risiken dürfen nicht regulärer Bestandteil der Versorgung werden. Unser Ziel ist daher eine qualitätsgesicherte, wissenschaftlich geprüfte Integration dort, wo sie nachweislich zur Versorgungsqualität beiträgt.
3. Pflege:
Viele komplementäre Behandlungsmaßnahmen werden durch Pflegefachkräfte erbracht. Sie können den Kompetenz- und Verantwortungsbereich der Pflege im stationären und ambulanten Bereich ausweiten und damit die Berufszufriedenheit fördern.
Welche Pläne hat ihre Partei, um die Weiterbildung im Bereich komplementärer Methoden für Gesundheitsberufe, im besonderen auch der Pflege qualitativ zu sichern und nachhaltig zu fördern?
Serviceliste
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FDPListenelement 1
Die Rechtsverordnungen auf Basis des Landespflegegesetzes könnten ein Ansatzpunkt sein. Solche Veränderungen müssten mit allen Akteuren der Pflege besprochen werden. Ich unterstütze die Erhöhung der Attraktivität der Pflegeberufe durch mehr inter-professionelle Ansätze mit Delegation und Vernetzung. Dazu gehören für mich auch umfassende Weiterbildungsangebote.
Neue und auch akademisierte Gesundheitsberufe wie etwa Community Health Nursing unterstützen wir ausdrücklich.
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GrüneListenelement 2
Die Vermittlung von Kompetenzen in Bezug auf komplementäre Heil-methoden in der Pflege erfolgt im Rahmen der Generalistischen Pflegeausbildung (Curriculare Einheit 08 - CE08). Im Gegensatz zu Fortbildungen werden Weiterbildungen, die als Spezialisierung auf der Ausbildung aufbauen und zu einer geschützten Berufsbezeichnung führen, durch Verordnung geregelt. In Baden-Württemberg gibt es bisher keine Weiterbildungs-Verordnung im Bereich Komplementäre Pflege. Das wäre ein Punkt, an dem wir ansetzen könnten. Allerdings sind bisher weder Berufsverbände noch Trägereinrichtungen oder Expertinnen und Experten aus dem Berufsfeld Pflege mit diesem Wunsch an uns herangetreten.
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Die LinkeListenelement 3
Die Linke fordert generell, dass Fort- und Weiterbildung (beinhaltet auch komplementäre Methoden), in den Gesundheitsberufen gebührenfrei sein muss. Es wird ein unternehmensfinanzierter Weiterbildungsfonds gefordert, sowie ein Weiterbildungsgeld in Höhe von 90 Prozent des letzten Nettoentgelts. Zudem sollen Pflegekräfte mehr Kompetenzen erhalten und Aufgabenprofile modernisiert werden.
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SPDListenelement 4
Die Pflege hat sich auch mit der Unterstützung durch die SPD in den letzten Jahren mehr und mehr zu einer eigenständigen Wissenschaft entwickelt. Wir von der SPD trauen den Verantwortlichen in der Pflege zu, auch die Wichtigkeit von komplementären Methoden zu bestimmen und dafür Weiterbildungsangebote zu entwickeln. Mit Maßnahmen wie dem Pflegekompetenzgesetz fordert die SPD die Ausbildung und die Weiterbildung von Pflegefachpersonen so zu gestalten, dass sie mehr Befugnisse in der Versorgung erhalten.
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AfD
Wir erkennen an, dass Pflegefachkräfte eine zentrale Rolle bei der Anwendung komplementärer Methoden spielen und damit zur ganzheitlichen Versorgung beitragen. Wir müssen aber auch im Blick haben, dass gegenwärtig nicht ausreichend Pflegepersonal vorhanden ist und dieses zunehmend überlastet wird. Eine Erweiterung der Aufgaben kann daher erst dann stattfinden und realistisch umgesetzt werden, wenn der Pflegenotstand behoben und die Pflegekräfte entlastet sind.
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CDU
Die CDU BW sieht im Bereich komplementärer Methoden durchaus Potenziale zur Erweiterung pflegerischer Kompetenzen, insbesondere im Hinblick auf Symptomlinderung, Aktivierung und ganzheitliche Begleitung von Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig gilt für uns auch hier: Qualität, Evidenz und Patientensicherheit stehen an erster Stelle.
Deshalb müssen Weiterbildungsangebote im Bereich komplementärer Verfahren klar strukturiert und verbindlichen Qualitätsstandards unterworfen sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass pflegerische Zusatzkompetenzen tatsächlich einen patientenrelevanten Nutzen haben und keine Risiken
entstehen.
Eine Ausweitung von verantwortungsbereichen darf zudem nur im Rahmen klar definierter Kompetenzprofile und haftungsrechtlicher Regelungen erfolgen. Weiterbildung soll die Professionalität der Pflege stärken, nicht zu Unsicherheiten in Zuständigkeiten führen.
Unser Ziel ist es, qualitätsgesicherte Zusatzqualifikationen zu fördern, die nachweislich zur Versorgungsqualität beitragen und gleichzeitig die Attraktivität des Pflegeberufs erhöhen – stets im Einklang mit evidenzbasierter Medizin und konsequentem Patientenschutz.
4. Lebensstil als Prävention:
Die Bedeutung des Lebensstils für die Gesundheit ist wissenschaftlich erwiesen. Ernährung, Bewegung oder Stressmanagement sind Felder mit gravierendem Einfluss auf akute und chronische Erkrankungen, wie Diabetes Typ 2, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depression und Demenz. Zugleich besteht hier eine Kernkompetenz der Naturheilkunde und Integrativen Medizin. Welche politischen Weichenstellungen plant Ihre Partei, um die Prävention in diesen Bereichen zu stärken und die Wirksamkeit der Maßnahmen sichtbar zu machen?
Serviceliste
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FDPListenelement 1
Rauchen, Überernährung und Bewegungsmangel sind aus meiner Sicht die Hauptrisikopunkte. Bisherige Präventionsprogramme und -angebote haben regelmäßig diejenigen nicht erreicht, um die es eigentlich gehen müsste. Gelingende Prävention sollte die Menschen dort abholen, wo sie sind. Informationen am Arbeitsplatz und in der Öffentlichkeit über Präventionsangebote könnten zu mehr Aufmerksamkeit führen und die Teilnahmezahlen erhöhen. Die FDP will sich landespolitisch stärker für die Prävention und auf für die Gesundheitskompetenz einsetzen
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GrüneListenelement 2
Das Thema Integrativ- und Komple-mentärmedizin wurde in den Koalitionsvertrag „Jetzt für morgen“ aufgenommen. Viele Patient-innen und Patienten wünschen sich Therapievielfalt und komplementärmedizinische Versorgungsangebote in Baden-Württemberg. Einen besonderen Fokus legt die Integrative Medizin auf Prävention und Selbstfürsorge der Patient-innen und Patienten. Wir setzen uns deshalb für den barrierefreien Zugang zu einer qualitätsgesicherten integrativen Medizin für alle ein. Das Land hat beispiels-weise die Einrichtung eines entsprechenden Lehrstuhls an der Universität Tübingen unterstützt (Prof. Holger Cramer) und fördert damit die Erforschung komplementärmedizinischer Verfahren. Gefördert wurde darüber hinaus das Kompetenznetz Integrative Medizin in einem Projekt des Universitätsklinikums Heidelberg mit Mitteln aus dem Forum Gesundheitsstandort Baden-Württemberg.
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Die LinkeListenelement 3
Die Linke betrachtet Gesundheitsförderung als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe ("Health in all Policies"). Gefordert wird ein Präventionsfonds, der aus Mitteln des Bundes, der Länder und der Krankenversicherungen gespeist wird, um Gesundheitsförderung in den Lebenswelten (Kommune, Kita, Schule, Arbeitsplatz) zu finanzieren. Im Landtagswahl-programm Baden-Württemberg wird explizit gefordert, Gesundheitsförderung und -bildung in Schulen und Bildungsplänen zu verankern. Zudem sollen "ganzheitliche Gesundheitsversorgung" und "Sorgende Kommunen" (Caring Communities) etabliert werden, die präventive Ansätze stärken. Ernährungspolitisch wird eine kostenfreie, gesunde Verpflegung in Kitas und Schulen angestrebt.
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SPDListenelement 4
Als SPD haben wir vor 10 Jahren mit dem Präventionsgesetz sehr deutlich zur besseren Zusammen-arbeit von Sozialversicherungsträger, Ländern und Kommunen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung beigetragen. Jetzt ergänzen wir dies durch mehr Kompetenzen (und Personal) für die Prävention im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Aus der Sicht der SPD soll Prävention und Gesundheits-förderung dort greifen, wo Menschen leben, lernen und arbeiten: In der Kita, der Schule, am Arbeitsplatz und im Pflegeheim. Gerade evidenzbasierte Maßnahmen aus der Naturheilkunde und der Integrativen Medizin sind aus unserer Sicht gut in diese Strategie einzubeziehen.
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AfD
Wir halten Prävention durch einen gesunden Lebensstil für einen der wirksamsten Hebel zur Entlastung des Gesundheitssystems. Naturheilkundliche und integrativmedizinische Ansätze sehen wir hier als sinnvolle Ergänzung, wenn sie nachweislich zur Vorbeugung und Linderung chronischer Erkrankungen beitragen und die Eigenverantwortung der Bürger fördern.
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CDU
Nachweislich beeinflussen Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung, Stressbewältigung und psychische Gesundheit maßgeblich die Entstehung und den Verlauf chronischer Erkrankungen wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf Erkrankungen oder Depressionen. Prävention und Gesundheitsförderung haben daher für uns einen zentralen gesundheitspolitischen Stellenwert.
Wir wollen Prävention konsequent ausbauen und dabei der Verhältnisprävention Vorrang vor einer rein verhaltensorientierten Strategie
geben. Unser Ziel als CDU BW ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass gesunde Entscheidungen im Alltag erleichtert werden – durch gesundheitsförderliche Lebenswelten in Kitas, Schulen, Betrieben und Kommunen. Gleichzeitig stärken wir die individuelle Gesundheitskompetenz, damit Menschen informierte und eigenverantwortliche Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen können.
Konkret setzen wir auf leicht zugängliche Vorsorgeangebote, ärztliche Check ups, Impfprogramme und strukturierte Früherkennungsuntersuchungen. Für Kinder und Jugendliche soll eine gesunde Lebensführung selbstverständlicher Bestandteil des Alltags werden – einschließlich Ernährung, Bewegung, psychischer Gesundheit, Suchtprävention sowie Erste Hilfe und Herz-Lungen Wiederbelebung im Lehrplan. Auch der Bereich mentale Gesundheit wird gezielt adressiert.
Naturheilkundliche oder integrative Ansätze können dies sinnvoll ergänzen, wo sie nachweislich wirksam sind.
5. Antibiotikaresistenz und Kostenentwicklung im Gesundheitswesen:
Integrativmedizinische Verfahren können helfen unnötige Medikamenteneinsätze zu vermeiden – beispielsweise bei bestimmten Antibiotikaanwendungen. So können langfristig Antibiotikaresistenzen verringert und Kosten gesenkt werden. Welche Ansätze sieht Ihre Partei, um die Potenziale integrativer Medizin für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen zu prüfen?
Serviceliste
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FDPListenelement 1
Ein Antibiotikum sollte immer nur als ultima ratio verordnet werden, nachdem eine Virusinfektion ausgeschlossen wurde. Resistenzen sind ein sehr ernstes Problem. Komplementärmedizinische Ansätze können helfen, mildere Therapien als mit verordnungspflichtigen Arzneimitteln zu wählen. Gleichzeitig muss aber sichergestellt sein, dass keinesfalls erforderliche sogenannte schulmedizinische Therapien verzögert oder gar vermieden werden. Ich komme bei dieser Frage auch auf die eingangs gestellte zu Forschung zurück.
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GrüneListenelement 2
Der breite und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika ist eine der wesentlichen Ursachen für die Entstehung von Resistenzen. Insofern ist der zielgerichtete Einsatz von Antibiotika sowohl im Human- als auch insbesondere im Veterinärbereich die wichtigste Maßnahme zur Reduktion von Antibiotikaresistenzen. Integrative Konzepte können durch intensive Aufklärung und Information das Bewusstsein für einen rationalen Antibiotikaeinsatz sowohl auf Seiten der Behandelnden als auch der Patientinnen und Patienten stärken. Zudem eröffnet die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen klassischer und integrativer Medizin Potenziale für Synergieeffekte und eine effizientere Nutzung gesundheitlicher Ressourcen. Darüber hinaus werden derzeit einige Alternativen zu Antibiotika wie der Einsatz von Phagen oder von Verfahren zur Stärkung der Immunabwehr (z.B. Stuhltransplantation oder synthetische Mikrobiome) intensiv beforscht.
Zur wissenschaftlichen Bewertung der Potenziale der integrativen Medizin stehen verschiedene methodische Ansätze zur Verfügung. So können klinische Studien, etwa randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) oder Beobachtungsstudien, die Wirksamkeit und Sicherheit integrativer Verfahren bei infektiösen Erkrankungen untersuchen.
Ergänzend dazu ermöglichen gesundheitsökonomische Analysen eine Bewertung von Kosten-Nutzen-Aspekten, etwa durch kürzere Krankheitsverläufe, eine geringere Nebenwirkungsrate oder einen reduzierten Einsatz von Arzneimitteln.
Darüber hinaus bietet die Versorgungsforschung – insbesondere die Analyse von Routinedaten – die Möglichkeit, Unterschiede im Antibiotika-verbrauch zwischen Einrichtungen, mit und ohne integrativem Ansatz, systematisch zu erfassen. Auch das Monitoring und die Evaluation von Qualitäts-indikatoren sowie die Erhebung der Patientenzufriedenheit liefern wichtige Hinweise auf die Versorgungseffizienz und die Akzeptanz integrativer Therapien.
Für die Umsetzung entsprechender Forschungs- und Evaluationsvorhaben sind die Nutzung digitaler Versorgungsdaten, die enge Kooperation mit Forschungs-einrichtungen sowie der Einsatz standardisierter Bewertungsinstrumente essenziell.
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Die LinkeListenelement 3
Die Linke fordert generell mehr Forschung zu therapeutischen Verfahren, die nicht produktgebunden sind (was auf viele integrative Verfahren zutrifft), um Versorgungslücken zu schließen. Bezüglich Antibiotikaresistenzen wird vor allem der "One-Health-Ansatz" und eine Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung gefordert. Zur Wirtschaftlichkeit: Die Partei lehnt Wirtschaftlichkeit im Sinne von Profitmaximierung ab, setzt aber auf Effizienz durch Vermeidung unnötiger Behandlungen und Fokussierung auf evidenzbasierte Maßnahmen. Methoden sollen durch unabhängige Forschung auf ihren Nutzen geprüft werden.
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SPDListenelement 4
Unnötige Medikamenteneinsätze sind nicht nur schlecht für die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung, sondern auch schlecht für die Menschen, die diese Medikamente einnehmen. Deshalb setzen wir auf evidenzbasierte und leitliniengerechte Medizin. Selbstverständlich beinhaltet diese auch die Potenziale integrativer Medizin.
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AfD
Die zunehmende Antibiotikaresistenz stellt für uns ein ernstes gesundheitspolitisches Problem dar. Wir sehen Potenzial darin, integrativmedizinische Verfahren zu prüfen, wenn sie helfen können, unnötige Medikamenteneinsätze zu vermeiden, ohne die Behandlungsqualität zu verschlechtern. Voraussetzung dafür sind jedoch belastbare wissenschaftliche Nachweise sowie eine klare Kosten-Nutzen-Bewertung, damit Qualität, Wirtschaftlichkeit und Patientensicherheit gleichermaßen gewährleistet bleiben.
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CDU
Die Reduktion unnötige Antibiotikaverordnungen ist gesundheitspolitisch von zentraler Bedeutung. Zunehmende Resistenzen und die anhaltende Kostenentwicklung im Gesundheitswesen erhöhen den Handlungsdruck erheblich. Unser Ziel ist es, nicht indizierte Verordnungen konsequent zu vermeiden, ohne notwendige Therapien zu verzögern oder zu unterlassen. Vor diesem Hintergrund sind wir offen dafür zu prüfen, ob integrative Verfahren in klar definierten Indikationen einen Beitrag zur Verantwortungsvollen Verringerung des Arzneimitteleinsatzes leisten können –etwa bei selbstlimitierenden Erkrankungen oder in der symptomorientierten Begleittherapie. Voraussetzung bleibt jedoch eine belastbare wissenschaftliche Evidenz. Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit müssen durch methodisch hochwertige Studien eindeutig belegt sein.
Integrative Verfahren verstehen wir als gezielte Ergänzung leitliniengerechter Therapien, nicht als deren Ersatz. Nur wenn sich ein klarer patientenrelevanter Mehrwert sowie ein nachvollziehbarer Nutzen für die Versorgungsqualität wissenschaftlich nachweisen lassen, kommen entsprechende Ansätze für eine Einbeziehung in bestehende Bewertungs- und Erstattungsverfahren in Betracht.